September ´89 wurde ich in Ost-Berlin eingeschult. Gerade hielt ich – wow – das blaue Halstuch in der Hand, da war es schon vorbei: Jungpionier für zwei Monate. Den Fall der Mauer erlebte ich in Berlin auf den Schultern meines Vaters. So bruchstückhaft die Erinnerung ist, so deutlich bleibt die frühe Erfahrung: Umbrüche passieren, Veränderungen geschehen, Gewissheiten sind nie von Dauer und erst recht keine Selbstverständlichkeit.

Persönliches

Obgleich in der Altmark geboren, bin ich in Berlin aufgewachsen und habe mich von Kindertagen an mit Kunst beschäftigt und in ihr später meinen Beruf gefunden. Die Berliner Kultur prägte mich also wie keine andere. Die Zeit an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” Berlin, aber auch die Zeit als Schauspieldramaturg an Theatern in West- und Ostdeutschland war eine gute, eine intensive und eine entdeckungsreiche; ich habe sie als großes Privileg verstanden.

Durch die Kunst habe ich Welt und die ihr innewohnenden Abhängigkeitsverhältnisse als veränderbar erfahren, weil ich mich permanent mit Alternativen beschäftigte; das war und ist für mich gleichbedeutend mit Hoffnung. Deshalb ist es mein ureigenstes Anliegen, für eine von der Gesellschaft auskömmlich getragene und freie Kunst- und Kulturlandschaft mit guten Arbeitsbedingungen für die dort Beschäftigten einzutreten, an der alle, unabhängig von ihrem Einkommen oder ihrer persönlichen Situation, teilnehmen können.  

Ich habe mich mit Eintritt in die Partei im Jahr 2020 dazu entschieden, die Arbeit in der Kultur auch zugunsten eines politischen Engagements für die Kultur aufzugeben. Denn die Bedingungen unter denen Kultur vollzogen wird, werden mit jedem Jahr schwieriger. Ich möchte Aufklärung leisten, ich möchte Sichtbarkeiten herstellen, ich möchte vermitteln und ich möchte Fürsprecher sein.

Nach meiner Zeit am Theater Magdeburg, habe ich dem Vagabunden-Dasein des umherziehenden Kulturschaffenden Adieu gesagt, um in meiner neuen Heimat bei Angern in der Börde sesshaft zu werden.